Ohne Krimi ins Bett

Die Mimi, jaja, das wissen wir, geht ohne Krimi nie ins Bett. Was 1962 schick war, muss heute nicht falsch sein, aber man hätte im Jahr 2014 des Herrn doch gern andere Möglichkeiten. Bietet einem das Fernsehprogramm aber leider (fast) nicht: Tatort, Der letzte Bulle, Spreewaldkrimi, Polizeiruf, Rosenheim-Cops, Heiter bis tödlich … die Liste könnte ich unendlich weiterführen. Überall Mord, überall Totschlag. Mal ist die Leich’ nur lustiges Beiwerk für kalauernde Kommissare, mal spritzt das Blut, mal gibt’s richtig dolle Action wie im Hollywood-Blockbuster, mal Spannung á la Hitchcock. Das ist manchmal durchaus gut gemacht, unterhält und regt sogar zum Nachdenken an. Aber fällt deutschen Fernsehmachern wirklich nichts anderes ein als Krimi, Krimi, Krimi und wieder Krimi? Ok. Arztserien gibt’s auch noch. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Im Angesicht der täglich im deutschen TV Gemeuchelten, wünscht man sich jedenfalls fast wieder in Zeiten zurück, als Die Wicherts von Nebenan, Diese Drombuschs oder Ich heirate eine Familie ein bisschen bieder, aber doch immer nett ihr TV-Leben lebten. Von Top-US-Serien wie Breaking Bad jetzt mal ganz zu schweigen…

Das es auch anders geht, beweisen Walter White und Co. Ist es in Deutschland einfach Lustlosigkeit, sich mal was anderes als das ewige “Who dunit” einfallen zu lassen? Oder die pure Angst vor aufwändiger Recherchearbeit? Oder halten die Sender-Verantwortlichen einfach die Zuschauer für doof und trauen ihnen nicht zu, auch mal was anderes als nen ollen Krimi zu gucken?

Sicher ist: Man sollte es eben doch wie Mimi halten und abends Bücher lesen. Müssen ja keine Krimis sein …

Die Po-Probleme

“Warum ich so gut drauf bin? So voller Energie? Fragt meinen – Po!”

Meint ihr das wirklich ernst, liebe Schmierenkomödianten von Nivea? Ich würde die straffe Frau in eurer Werbung am liebsten sofort einweisen lassen. Denn wer seinen Arsch für sein Lebensglück verantwortlich macht, der hat mehr als ein Problem…

 

Mütter aller Länder – vereinigt euch!

Stillen oder Flasche, Babybett im Eltern- oder im eigenen -Zimmer, Tragetuch oder Kinderwagen, Globuli oder Pharma oder gar nix, welche Pflege ins Badewasser, welche Impfungen, später dann: Kita wann, wo und überhaupt, wann wieder arbeiten und in welchem Umfang, nur Bio füttern oder auch konventionell, welche Kurse besuchen – kurz: Was kann/muss/sollte ich tun, um mein Kind perfekt aufs Leben vorzubereiten und wie kann ich die beste Mama sein? Seit ich Mutter bin, stelle ich mir fast täglich solche und 1 Million ähnlicher Fragen und die anderen Muttis im meinem Umfeld bestätigen mir, dass es bei ihnen genauso ist. (Bei den Vätern auch, na klar. Aber da ich nunmal Frau bin, geht’s hier erstmal nur um Mütter.)

Wann ist er uns eigentlich abhanden gekommen, unser Mutterinstinkt? Warum hören wir nicht einfach tief in uns rein und tun das, was der Bauch uns sagt, anstatt Internet und 1000 Ratgeber zu bemühen, um nach der Lektüre verwirrter zu sein wie vorher? Und – für mich das Wichtigste – wann haben wir aufgehört, solidarisch zu sein? Solidarität und Frauen, genau. Unter Müttern! Klar gibt’s die. Aber der Trend zur unverhohlenen Kritik anderer Lebensentwürfe wie dem eigenen greift um sich, ergaben Studien von Expertinnen (soll heißen: Ich hab mich umgehört und viele bestätigen es mir. Nicht repräsentativ? Who cares!)

Ein Beispiel? Sehr gerne: Sagt doch neulich eine Mutti, die zum zweiten Mal schwanger ist, allen Ernstes: “Ich finde es richtig schlimm, wenn Leute nur ein Kind wollen. Das ist egoistisch und dem Kind gegenüber total unfair. Die wollen das Kind nur als Statussymbol. Überhaupt sind die dann gar keine richtigen Familie, sondern nur ein Paar mit Kind.” Fassungslos hörte ich mir das an und dachte: Klar, man darf seine Meinung sagen. Klar, man darf und soll diskutieren. Aber so knallhart über andere zu urteilen? Das find ich schon ein starkes Stück …

Von den vielen: “Waaas, ihr gebt eurem Kind Weißmehl und Schokolade?”; “Wie – es geht mit 2 noch nicht in den Kurs: Leitung eines Symphonieorchesters?”; “Mit einem Jahr schon in die Kita? Armes Kind.”; “Mit einem Jahr noch nicht in die Kita? Armes Kind.” jetzt mal ganz zu schweigen.

Job und Familie unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Immer noch und besonders für Mütter, die ja meist diejenigen sind, die erstmal den Job aufgeben und dann in Teilzeit arbeiten etc (Ich will gar nicht jammern. Bei mir war es genauso und ich hab es gern gemacht. Möchte keine Sekunde mit Mausi missen!) Aber harsche Kritik von anderen Müttern – bitte nicht. Lasst es doch jede so machen, wie sie es gerne will (und wie es ihr das Bauchgefühl und nicht der olle Ratgeber sagt … ) Lasst uns versuchen, einander zu verstehen. Lasst uns zusammen stehen. (Ich ereifere mich.) Aber ich habe einen Traum… Und da sind alle Mütter Schwestern. Ach was, alle Frauen!

Über mich

Journalistin Der klassische Weg mit kleinen Abstechern: Vor fast 20 Jahren fing alles bei der Heidenheimer Zeitung an. Musikverein, Heavy-Metal-Band und Laientheatergruppe – alles gesehen, über alles geschrieben. In Tübingen und Irland Literatur und Rhetorik studiert und das Theater als Dramaturgie-und Regieassistentin kennengelernt. Danach ging’s in den wilden Osten zur Leipziger Volkszeitung. Dort volontiert und als Redakteurin gearbeitet, bevor Klatsch und Tratsch beim Bauer-Verlag lockten.  Nach der publizistischen Landpartie bei „Liebes Land“ jetzt frei schaffend und auf der Kleinenkehrwoche fegend.

Mutter Wenn es nicht so abgedroschen klingen würde, schriebe ich jetzt: „Meine Tochter Marlene ist das Allerbeste, was mir je passiert ist. Sie ist das größte Glück und ich bin jeden Tag dankbar, dass dieses einmalige Wesen in meinem Leben ist. Sie ist frech und wild und wunderbar.“ Stimmt aber alles und deshalb schreibe ich es trotzdem. Ganz zu Schweigen von der intensiven Weiterbildung in Sachen Geduld, Organisation und Pädagogik, die ich allein ihr zu verdanken habe.

Mensch In den Bergen schwindelnde Höhen erklimmen, an den Küsten Irlands das Herz übers Meer schicken, im Theater das Leben spüren, beim Yoga zu sich selbst und in Büchern neue Welten finden. Und mit dem besten Ehemann glücklich sein. Das bin ich.

Bohnen-Massaker

Das Dschungelcamp ist Geschichte, die Königin gekrönt, Dr. Bob hat längst wieder alles aufgeräumt und erholt sich von den German Celebrities. Und ich komme tatsächlich erst heute dazu, etwas über die RTL-Sozialstudie der Extraklasse zu schreiben. Weil es mir – ganz ohne Ekelfutter aus Dschungelgetier – so ging wie Marco in seiner bereits jetzt legendären Prüfung mit Melanie (O-Ton Maro: “I kann des nöd. I muass spein.”)

Für passionierte Camp-Gucker war der 2014er-Jahrgang etwas ganz Besonderes. Am Anfang sah alles noch so aus wie immer – nämlich nach der klassischen Rollenverteilung. Starring: Larissa als Oberzicke, Gabby und Marco als sexy Couple, Winfried und Mola als Stimmen der Vernunft und Melanie und der Wendler als Überraschungseier (soll heißen: Sind gar nicht so bescheuert, wie man denkt). Doch tatsächlich kam (fast) alles anders. Denn die Rollen waren nie festgelegt. Jeden Tag wurde den Zuschauern eine andere Seite des Promis gezeigt  – und die Sympathien wanderten vom einen zum anderen.

Gut. Melanie hat tatsächlich überrascht. Sie war zupackend, unerschrocken, bodenständig. Viel mehr ganz normale Frau als überschmicktes Bachelor-Nackedei. Echte und ehrliche Menschen werden geliebt. Deshalb für sie verdient die Krone. Die hätte sich aber auch Larissa redlich verdient. Denn ohne sie wäre das Camp unendlich viel langweiliger gewesen. Ihre Ausraster, ihre Geschichten, ihre Ecken und Kanten, ihre Menschlichkeit waren einfach überwältigend. Dass die anderen ihre Lästermäulchen über sie zerissen nützte ihnen nichts. Gabby und Marco (die übrigens kein Paar wurden …) flogen aus dem Camp, nachdem sie zu dolle über Larissa hergezogen hatten. Mola verspielte alles Sympathien, als er nach einer gemeinsamen Dschungelprüfung so tat, als habe er alles gewuppt (dabei hatte Larissa den schwierigeren Part). Und der gute Winfried zeigte sich cholerisch und jenseits aller Vernunft, als er Larissa sogar schlug, später alles von sich wies und sich schließlich damit “entschuldigte”, dass das ständige Bohnen-Essen ihn zum … tja… Schläger gemacht hätten.

Und der Wendler? Der ist dann doch genau so realitätsentrückt und größenwahnsinnig wie man denkt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man nie zu viele Bohnen essen sollte und die Frage, wo in aller Welt RTL seine genialen Autoren, Redakteure und Regisseure das ganze Jahr über versteckt …

Wir sind Gott

Tag 13 im Dschungelcamp. Der Tag, an dem Winfried völlig aus dem Rahmen fällt. Er schlägt Larissa , als sie ihre Hand (im Reflex, nach Berührung eines Krokodilfußes) an seinem Hemd abwischt.

Tag 13 im Dschungelcamp. Der Tag, an dem Winfried kleine Mädchen veralbert und vielleicht sogar witzig sein will. Er erzählt Larissa und Gabby, dass die Petroliumleuchten im Camp ferngesteuert seien, von denen vom RTL da. Reaktion Daniel: “Winfried. Wir sind Gott.”

Tag 13 im Dschungelcamp. Der Tag, an dem Winfried erstaunliche Weitsicht beweist, was das Ende dieser doch langsam recht unwürdigen Veranstaltung betrifft. So sagt er über Larissa: “Sie ist die Königin und ich bin dann der Hofnarr.”

Das Ende ist nah. Amen.