„Wenn keiner zuschaut, ist es auch kein Fernsehen“

Was für ein trauriger Freitagabend. Jetzt hat sich der verwöhnte TV-Gucker grade an Top-Fernsehunterhaltung auf RTL (jawoll) und ZDF (ja-a) gewöhnt, da kommt der Schock. „Let’s dance“ wird zwar gewohnt souverän und witzig von Daniel Hartwich moderiert und Sylvie van der Dingsbums ist immer noch auf dem Büßerplätzchen, wo sie nur noch die Tänzer nebst Promis nach deren Auftritt begrüßen darf (Danke, RTL. Vorschlag: Ganz auf Van der Vaartsches Geplapper verzichten). Auch sonst alles wie gehabt: Jorge süß, Llambi ehrlich, Motsi Mabuse zauberhaft und kompetent und, ach so, das Tanzen ist auch ok. Aber der geneigte Zuschauer, der um 23 Uhr dann doch ein wenig ermüdet von Tränen, Tand und Tanz aufs ZDF schaltete, musste feststellen: Sascha Hehn ist weg. Nein, ich bin nicht in den 80ern ins Koma gefallen und grade wieder aufgewacht (sehen Sie dazu: „Der letzte Bulle“ auf Sat 1), sondern der große, der einzigartige, der, äh, schönste Mann Deutschlands hatte das furioseste Comeback, das man sich vorstellen kann. In der wunderbaren Satire „Lerchenberg“ spielte er sich selbst und der behauptete Sascha Hehn ist so arrogant, nervig, fies und abgebrannt, dass es eine wahre Freude ist. An seiner Seite glänzte die fantastische Eva Löbau als verzweifelte Redakteurin, die beim verschnarchten Geriatrie-Sender ZDF verzweifelt und auf Druck ihrer Chefin (die mit Saschi in die Kiste hüpft) versucht, dem ehemaligen Schwiegermutter-Traum zum Comeback zu verhelfen. Bei dieser Mission Impossible nimmt sich das ZDF gnadenlos selbst auf die Schippe, erlaubt sich Seitenhiebe auf seine, tja, Zugpferde Claus Theo Gärtner und Wayne Carpendale (der in „Lerchenberg“ sich selbst spielt und dabei fast genau so mutig – weil unsympathisch – ist wie Sascha Hehn) – kurz, macht endlich mal unterhaltsames Fernsehen mit Köpfchen. Weil man das seinen Zuschauern aber offenstichtlich nicht zutraut, versteckt das ZDF  „Lerchenberg“ erst bei ZDF Neo um 22.45 Uhr und dann im Hauptprogramm freitags, 23 Uhr. Klar gucken da nicht mehr viele. „Und wenn keiner zuschaut ist es auch kein Fernsehen“, sagt Saschi so schön. Sein Comeback mit Zuschauern wagt er übrigens 2014 als Traumschiff-Kapitän. Zur Primetime. Das ZDF ist das ZDF ist das ZDF.

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