Schönheits-Op fürs Hirn

Um mal so richtig schön abzuschalten und seine Gedanken ins fluffige Nichts gleiten zu lassen, eignen sich immer wieder Zeitschriften aus dem Hause Burda. Auch wenn jetzt hämisch gelacht wird und es völlig eindeutig ist, dass dieses Heft für die reifere Generation gemacht und außerdem völlig sinnlos ist, gestehe ich: Ich lese die Bunte. Wenn mir deren Inhalt aber intellektuell zu anspruchsvoll ist, greife ich zu einem noch sinnloseren Heft, der – tataaa – Instyle. Darin: Mode, Beauty, Blablabla. Noch nicht mal Klatsch und Tratsch über die großen Themen des Lebens (Liebe, Tod, Fritz Wepper) sondern nur völlig oberflächliches Geschwurbel über das, worauf’s wirklich ankommt: die äußeren Werte. Zufällig fiel mir jüngst die November-Ausgabe vom vergangenen Jahr in die Hände, deren Studium mir wieder einmal zeigte, dass ich nicht nur keine Ahnung habe, was derzeit so gwandmäßig en vougue ist (Baseballcaps. Jogginhosen. Rucksäcke. Really?), sondern auch völlig ahnungslos bin, wenn es darum geht, was junge Frauen heute bewegt. „Silikonbrüste, Schmolllippen, Schönheits-Ops sind bei jungen Frauen Anfang 20 normaler Standard geworden und junge Männer finden das sexy“ steht da. Finde ich  syntaktisch grenzwertig und semantisch völlig daneben. Aber es kommt noch schlimmer. Im Text wird irgendein Töchterlein Brilliant beschrieben, das von der eigenen Mutter dazu aufgefordert wird, sich den Busen machen zu lassen, um endlich den ersehnten passenden Schwiegersohn (mit Rang, Namen, Geld) an Land zu ziehen. Zitat: „Ein paar Gramm in der Brust bewirken oft Wunder bei den Männern.“ Muss erstmal lauthals ins Kissen brüllen, damit den Nachbarn im Umkreis von 500 Metern nicht die Suppe vom Löffel flutscht. Im weiteren Verlauf der Geschichte werde ich darüber aufgeklärt, dass die Tochter sich natürlich von Mutti überreden lässt und die Brustvergrößerung später für die beste Entscheidung ihres Lebens hält. Weil Eugen, der mit ihr studiert, sie aber  bis dahin nie beachtete – ahhhhhh – von den neuen Busis begeistert und „nicht unvermögend ist, so wie meine Mutter es wollte.“ Noch mehr: ahhhhhhhhhhhhhhhh! Ich will nicht in einem Land leben, in dem es solche Mütter, solche Töchter und solche Eugens gibt, denke ich. Da fällt mir wieder ein, in welchem Heft das steht und die Schnappatmung beruhigt sich. Oder ist Burda vielleicht viel cooler als gedacht und sie meinen das alles gar nicht ernst, sondern total ironisch und machen sich quasi lustig über Leute, die so denken! Nee, wohl kaum. Humor und Burda passen nicht zusammen. Oder doch? Auf der letzten Seite wird mir bei der „Frage des Monats“ erklärt, warum Mädelsabende nicht lustig sind. „Unter Frauen wird es selten richtig lustig und wenn, dann nur zufällig – die Beauty- und Jungsprobleme bieten nicht genug Stoff“, lese ich da und weiter: „Mit Frauen wird es nicht richtig lustig, weil sie sich eigentlich für nichts interessieren.“ Und, jetzt kommt’s: „Stattdessen wird darüber geredet, wer sich wann und wo hat botoxen lassen und wer zurzeit was aus seinem Diätplan gestrichen hat.“ Hahaha, huhuhu. Das kann nicht ernst gemeint sein. Ist es aber. Steht schließlich in der Instyle. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich dringend aus meinem publizistischen Diätplan streichen muss …

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